Geschichte

Vor fast drei Jahrtausenden gehörte das Gebiet des heutigen Bosnien-Herzegowinas (Der Name Bosnien bedeutet Salzland, der Name Herzegowina steht für Herzogsland) zu Illyrien, das im 1. Jahrhundert v. Chr. als Provinz Illyricum Teil des Römischen Reiches wurde. Die Illyrer waren ein Konglomerat von Stämmen, die den größten Teil des späteren Jugoslawiens und Albaniens bewohnten und eine mit dem heutigen Albanisch verwandte indoeuropäische Sprache sprachen. Durch die römischen Eroberungen kamen das Christentum sowie die lateinische Sprache nach Bosnien. Nach dem Zusammenbruch des Römischen Reiches eroberten die Goten das Gebiet.


Im 6. und 7. Jahrhundert wanderten slawische Siedler und Bauern in die Gebiete Bosniens und Herzegowinas ein, die schließlich die Illyrier verdrängten.


Der Norden Kroatiens und Bosniens gelangte Ende des 8. Jahrhunderts in den Herrschaftsbereich Karls des Großen. Diese fränkische Herrschaft brachte einen Wandel des Stammessystems in eine moderne Form des Feudalismus. In diese Zeit fällt auch die erste Erwähnung Bosniens als eigenes Territorium. Bis in das 12. Jahrhundert wurde die Region maßgeblich von den Slawen beherrscht. In der Folgezeit geriet sie unter die Vorherrschaft der Ungarn, die Bosnien zu einem Banat (Provinz) machten. 1291 holt sich der Ban (Vizekönig) von Bosnien zum Schutz vor den herannahenden Osmanen Franziskaner aus Italien. Die erste Franziskanerprovinz wird im Osten in Srbrenica ansässig.


Im 14. Jahrhundert blühte Bosnien unter der Herrschaft von einheimischen Königen wie König Tomislaw zum mächtigsten Staat des Westbalkans auf. Durch Auseinandersetzung zwischen Adelsfamilien verlor man diese Stellung jedoch bald wieder. Das Jahr 1389 stellt einen Wendepunkt in der Geschichte des Balkans dar: Osmanische Truppen rückten in Richtung Bulgarien, Serbien und Bosnien vor. Mit Unterstützung des bosnischen Heeres stellt sich ihnen der serbische Fürst Lazar entgegen. Im Juni 1389 kam es zur sagenumwobenen Schlacht auf dem Amselfeld. (Kosovo Polje), bei der sowohl der türkische als auch der serbische Heerführer getötet werden.


Die osmanische Besetzung des Landes wird im allgemeinen jedoch mit dem Jahr 1483, der Hinrichtung des letzten bosnischen Königs Stjepan Tomislaw verbunden. Bis zu diesem Zeitpunkt hatten die Türken den größten Teil Bosniens wie auch der Herzegowina besetzt. Bosnien wird für 400 Jahre Teil des Osmanischen Reiches. Viele Einwohner konvertierten in dieser Zeit zum Islam. Bosnien wurde zur Grenze zwischen Orient und Okzident. Mehrere Aufstände gegen die türkische Herrschaft verliefen ergebnislos.


Während des Berliner Kongresses 1878 verhandelten die Doppelmonarchie Österreich-Ungarn und andere europäische Mächte über die Verwaltung des Gebietes. Die europäischen Großmächte beauftragen Österreich, Bosnien zu okkupieren, um auf dem Balkan Frieden und Ordnung zu schaffen.


Die Ermordung des österreichischen Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand durch einen serbischen Studenten in Sarajevo am 28. Juni 1914 hat die Kriegserklärung Österreich-Ungarns an Serbien zur Folge. Dies war der Auftakt zum 1. Weltkrieg. An diesem Krieg beteiligten sich die Serben in der Hoffnung, ein Königreich zu schaffen, das alle südslawischen Völker vereinen sollte. Am 1. Dezember 1918, im Anschluss an den Untergang der Habsburger Doppelmonarchie am Ende des Krieges, wurden Bosnien und Herzegowina vereinigt. Unter der serbischen Monarchie König Alexanders wurde das Land von 1921 bis 1934 Teil des Königreiches der Serben, Kroaten und Slowenen. Als Konflikte zwischen Kroaten und Serben zu nationalen Spannungen führten, verstärkte Alexander die Kontrolle über das Land. 1929 wurde das Königreich in Jugoslawien umbenannt.


Während des 2. Weltkrieges marschierten die Achsenmächte in Jugoslawien ein und teilten es unter sich auf. Auf deren Seite stand das faschistische Ustascha-Regime in Kroatien und Bosnien. Dagegen standen die gesamtjugoslawischen kommunistischen Partisanenverbänden unter der Führung des Kroaten Josip Broz Tito sowie die königstreuen serbischen Tschetniks. Im Laufes dieses Krieges kam es zu partiell verwirrenden Koalitionen. Mit Unterstützung der Alliierten gelang es den Partisanen, die Besatzungsmächte 1944 endgültig aus Jugoslawien zu vertreiben. Nach Ende des Krieges vereinigte Tito die verschiedenen Teile Jugoslawiens und schuf eine jugoslawische Föderation mit Bosnien-Herzegowina als einer der sechs Teilrepubliken.


Die historisch bedingten Spannungen zwischen den einzelnen Volksgruppen hielten jedoch in der Föderation an und verstärkten sich nach dem Tod Titos im Jahr 1980. Die komplizierte Nachfolgeregelung mit einem kollektiven Staatspräsidium, bei dem die regionalen Führer den Proformatitel im jährlichen Wechsel innehatten, erwies sich als Weg in die Sackgasse. Sie sollte die ethnische Harmonie bewahren, statt dessen verstärkte sie die Uneinigkeit. Wachsende ökonomische Probleme durch Misswirtschaft und Überbürokratisierung führten Jugoslawien zudem in den achtziger Jahren in eine Wirtschaftskrise, die eine hohe Arbeitslosigkeit zur Folge hatte. Die wachsenden sozialen Ängste machten die Bevölkerung anfällig für nationalistische Parolen.


1990 verzichtete die Kommunistische Partei schließlich auf ihre Vormachtsstellung in Jugoslawien. Schnell bildete sich eine große Vielfalt an politischen Parteien heraus, die unterschiedliche Ziele anstrebten und die verschiedene Volksgruppen vertraten. Nach den Wahlen zum bosnischen Parlament im November und Dezember1990 wurde Alija Izetbegović – ein Vertreter der muslimischen Partei - Vorsitzender der Koalitionsregierung. Das Präsidium war mit Vertretern der muslimischen Partei (HDP), der serbischen Demokratischen Partei (SDS) sowie der kroatischen Demokratischen Union Bosnien und Herzegowina (KDU-BH) besetzt.


Unter anderem bedingt durch die Unabhängigkeitsbestrebungen Kroatiens kam es zu einem bewaffneten Aufstand der Serben in der kroatischen Kraijna-Region, welche sich aus „Sicherheitsbedenken“ mit den bosnischen Serben und dem serbisch dominierten „Restjugoslawien“ territorial verbinden wollten. Serbische Nationalisten in Bosnien versuchten die Situation für sich zu nutzen, um sich von Bosnien-Herzegowina abzuspalten. Bosnische Kroaten wollten ihrerseits sich an das neu gegründete und unabhängige Kroatien anschließen. Präsident Izetbegovic versuchte vergeblich auch dann noch die Einheit Bosniens zu bewahren. Die aufgrund der unterschiedlichen Ziele entstandenen Spannungen führten zu einem Zusammenbruch des bosnischen Staatengebildes und zu erbitterten Kämpfen zwischen den verschiedenen Entitäten. Jene schreckliche Jahre von 1992-1995 verursachten unendliches Leid: Über 200.000 Tote, Millionen Flüchtlinge und massive Zerstörungen im ganzen Land.


Auf internationalen Druck hin kam es im Oktober 1995 zum Waffenstillstandsabkommen und nach dreiwöchigen Verhandlungen in Dayton (Ohio) wurde auf Vermittlung des US-Präsidenten Bill Clinton ein Friedensvertrag von den Präsidenten Kroatiens, Serbiens und Bosniens paraphiert. Einige des wichtigsten Punkte lauteten: Bosnien und Herzegowina bleibt in seinen bisherigen Grenzen als einheitlicher Staat erhalten; der neue Staat besteht aus der muslimischen-kroatischen Förderation (51% des Gebietes) und der Serbischen Republik (49% des Gebietes); Sarajevo bleibt die vereinte Hauptstadt des Landes; die Rückkehr von Flüchtigen in ihre Heimat wird gewährleistet, die internationalen Friedenstruppen (IFOR-jetzt SFOR) überwachen die Einhaltung des Waffenstillstandes; alle Kriegsgefangenen werden sofort freigelassen.


Nach der Unterzeichnung des Friedensvertrag im Dezember 1995, zogen sich die serbischen, kroatischen und muslimischen Soldaten in die Kasernen zurück. Etwa 20.000 Soldaten der Friedenstruppen sind heute in Bosnien stationiert und ebenso viele zivile Verwalter und Helfer unterstützen den Wiederaufbau des Landes.

(Quelle: Balkantours)

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